Fluxus, Majdan Nesaleschnosti, Open Design und die Kritik am Wohlfahrtsstaat: Die Wikipedisierung des Wissens

Im Fokus des vorliegenden Projekts stand die Frage der Nutzbarkeit von Wissen aus dem Social Web zwischen egalitären und elitären Ansprüchen.
Laufzeit: 04/2014 – 05/2015

Auftraggeber: Creative Region Linz & Upper Austria GmbH

wikipedia.org liegt derzeit auf dem sechsten Platz der weltweit am häufigsten besuchten Websites, knapp hinter facebook.com und youtube.com aber noch vor linkedin.com und twitter. com. (Stand: 1. April 2014, abrufbar unter http://www.alexa.com/topsites) Neben den großen Suchmaschinen dominieren diese und ähnliche Social-Media-Dienste mittlerweile die Nutzung des Internets und stehen paradigmatisch für die Bedeutung des Social Web in diesem Zusammenhang, also webbasierter Anwendungen, die es Menschen vor allem ermöglichen, Informationen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen, untereinander zu kommunizieren oder kollaborativ zusammenzuarbeiten (inklusive der dabei erzeugten Daten und Beziehungen). (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl, Social Web, 2. Aufl., UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2011).

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde am 15. Januar 2001 gegründet und stellt gegenwärtig das meistbenutzte Nachschlagwerk im Internet dar. Getragen von den Gedanken einer kollaborativen Autor*innenschaft und eines freien Zugangs zu Wissen umfasst Wikipedia derzeit ca. 31 Millionen Artikel in über 280 Sprachen. (vgl. http://stats.wikimedia.org/DE/TablesRecentTrends.htm) Neben der Betonung vieler Vorteile wie etwa dem prinzipiell demokratischen Zugang zur Wissensgenerierung, dem Aktualitätsbezug von Wissenselementen oder der mehrsprachigen Verfügbarkeit gleicher oder ähnlicher Wissensbestände führen Kritiker*innen auch zahlreiche Nachteile an, die durch die Verwendung von Wikipedia entstehen: fehlende Vertrauenswürdigkeit, inhaltliche Beeinflussungen, mangelnde Qualität von Formulierungen, Urheberrechtsprobleme, Machtmissbrauch u. v. m. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Wikipedia)

Die Wikipedisierung wirkt sich dabei sowohl auf die Wissensbeschaffung im alltäglichen Leben (die geografischen Besonderheiten eines Landes, die Biografie der Lieblingsschauspielerin, die Folgen einer Krankheit, …) als auch in besonderem Maße in jenen Bereichen aus, die sich aus berufs- oder bildungsbezogenen Gründen mit spezifischen Wissensbeständen auseinandersetzen müssen: die Künstlerin auf der Suche nach wichtigen Vertreter*innen der Fluxus-Bewegung, der Journalist auf der Suche nach Informationen zur Geschichte des Majdan- Platzes, die Designerin auf der Suche nach Organisationen im Bereich “Open Design”, der Sozialwirtschaftsstudent auf der Suche nach kritischen Rezeptionen zum Wohlfahrtsstaat. Im Fokus des Projekts stand die Frage der Nutzbarkeit von Wissen aus dem Social Web zwischen egalitären und elitären Ansprüchen. Eng verknüpft hiermit waren auch Fragen nach der Darstellung von Wissensbeständen:

  • Welche Kennzahlen sind etwa in einer Liste der Streitkräfte der Welt auf Wikipedia angeführt?
  • Wie wird die Entwicklung der Staatsverschuldung einzelner Länder im Vergleich dargestellt?
  • Welche Grafiken werden verwendet, um die Ausdehnung des Ozonlochs zu visualisieren?

LIquA erbrachte im Rahmen des Projekts folgende Leistungen:

  • Erhebung von quantitativen Daten zu vier ausgewählten Themen, wobei diese ausschließlich auf Artikeln aus der deutschsprachigen Wikipedia basiert.
  • Aufbereitung der erhobenen Daten in einem Format, welches anschließend von ausgewählten Grafik-Designer*innen weiter verarbeitet werden kann.
  • Sozial- und kulturwissenschaftliche Begleitung eines Workshops mit Grafik-Designer*innen (und Student*innen) mit der Zielsetzung, gängige Wissensdarstellungen in Wikipedia kritisch zu hinterfragen und alternative Darstellungsformen anzuwenden.
  • Textproduktion zur theoretischen Einbettung des Gesamtthemas für die Präsentation der Workshop-Ergebnisse, in Form von kurzen Ausstellungstexten.
  • Konzeption und Umsetzung einer geeigneten Gestaltungsidee für die aus der Erhebung gewonnenen Daten im Rahmen der Präsentation.
  • Unterstützung des Auftraggebers bei der Auswahl von einzuladenden Expert*innen (z. B. Keynote Speaker, Round-Table-Teilnehmer*innen, …).